TANGO, VALS, MILONGA

Der Tango hat sich im vergangenen Jahrhundert zu einem der anspruchsvollsten Gesellschaftstänze unserer Zeit entwickelt. Über den Ursprung des Begriffs besteht Uneinigkeit. So wird ihm z.B. eine portugiesische (tanger = berühren) und eine afrikanische Begriffsgeschichte (Tambo = lärmendes Fest der Schwarzen) zugeschrieben. Fest steht, dass der Tango den TänzerInnen einige physische und psychische Fertigkeiten abverlangt. Neben einer sicheren Körperbeherrschung und einem Gespür für den passenden Einsatz choreographischer Elemente erfordert er vor allem Sensibilität und Musikalität. Der klassische Tango wird im Vierachteltakt getanzt und lässt Raum für rhythmische Unregelmäßigkeiten. Er hat meist einen eher melancholischen, sehnsuchtsvollen Charakter, wobei die musikalischen Ausdrucksweisen des Tangos sehr vielfältig sind.

Parallel zum Tango entwickelten sich am Río de la Plata noch zwei weitere Musikrichtungen und damit verbundene Tanzstile:

Mit seinem schwungvollen Dreivierteltakt hat der VALS eine fröhliche und zugleich romantische Spielart in den Tango Argentino eingebracht. Die Bezeichnung Vals cruzado (= gekreuzter/verrückter Walzer) wird häufig erklärt anhand der „Kreuzung“ von klassischem Tango und französischem (Musette-)Walzer bei dessen Einführung in Südamerika durch europäische Immigranten. So kann es zu Beginn mitunter auch etwas „verrückt“ gewirkt haben, als man begann, Tango zu europäischer Walzermusik zu tanzen, die fortan immer mehr Klangfarben des Tangos annahm. Im Gegensatz zum Wiener Walzer wird der Vals meist nur mit einem Schritt pro Takt (mit Betonung auf dem ersten Taktschlag) getanzt. Er gelingt besonders gut, wenn er möglichst flüssig getanzt wird, Drehungen zum Einsatz kommen und auf stoppende Elemente (wie etwa Paradas oder Ganchos) verzichtet wird.

Die MILONGA hat ihre Wurzeln in den Volkstänzen der argentinischen Landbevölkerung und ist ein Vorläufer des Tangos. Der Begriff entspringt der afrikanischen Sprache Quimbundo und bedeutet soviel wie „viele Wörter“. Über die Synonyme „Gespräch, Erzählung und Gerede“ gelangt man zu einer weiteren Bedeutung des Begriffs, der auch das Lokal bzw. die Tanzveranstaltung bezeichnet, auf der Tango Argentino getanzt wird. Die schnelle, rhythmusbetonte Milonga wird im Zweiviertel- oder Viervierteltakt getanzt und bietet die Möglichkeit, im Tanz ausgelassene Fröhlichkeit, Temperament und Witz zu demonstrieren. Hier spielt weniger der Figurenreichtum des Tangos eine Rolle als die verschiedenen Variationen des Gehens, die möglichst in rhythmischer Gleichmäßigkeit ausgeführt werden.

Kleines "Who is Who" der Tangomusik

Mit der Musik der „alten Garde“ (guardia vieja) etablierte sich der Tango Argentino ab ca. 1880 zunächst in den Bordellen und Einwanderervierteln von Buenos Aires und mit der zunehmenden Professionalisierung der Orchester (guardia nueva) später auch mehr und mehr in den Salons der Mittel- und Oberschicht. Wichtige Vertreter waren u.a. Angel G. Villoldo, Juan F. Maglio, Vicente Greco und Eduardo Arolas. Hier kamen häufig Sextette zum Einsatz, bestehend aus 2 Bandoneons, 2 Violinen, einem Kontrabass und einem Klavier. In früheren Formen kommen mitunter auch Gitarre, Klarinette oder Querflöte vor.

Mit den ersten Erfolgen des Sänger Carlos Gardel folgte während der 1920er Jahre die Zeit des Tangoliedes (Tango Canción). Gardel wurde zum vergötterten Symbol des Tango, bis sein Leben bei einem Flugzeugabsturz 1935 ein jähes Ende fand. Die schicksalhaft-romantischen Texte waren häufig in Lunfardo, einer argentinisch-uruguayischen Umgangssprache, verfasst.

Während der darauffolgenden „goldenen Ära“ des Tango (ca. 1935 bis 1950), in der der Salontango seine Blütezeit erfuhr, enwickelte sich zunächst ein Lager der „Traditionalisten“, insb. Francisco Lomuto, Francisco Canaro, Anselmo Arieta sowie Juan de Dios Filiberto, Juan D´Arienzo, Rodolfo Biagi und Alfredo De Angelis. Diese konzentrierten sich in erster Linie auf einen rhythmusbetonten, tanzbaren Tango und spielten üblicherweise mit 3-4 Bandoneons und 3-4 Violinen. Später wurden Klarinette, Schlagzeug und andere Instrumente hinzugefügt. Die „Evolutionisten“ entwickelten, eingeleitet durch Roberto Firpo, mehr Tiefe und Komplexität in der Tangomusik und legten mehr Wert auf Melodien und Harmonien als auf den klaren Rhythmus. Hierzu zählten Julio de Caro, Osvaldo Fresedo, Juan Carlos Cobian sowie Carlos Di Sarli, Pedro Mafia, Elvino Vardaro, Aníbal Troilo, Osvaldo Pugliese und Miguel Caló.

Aus den Evolutionisten gingen nach dem Ende der goldenen Ära verschiedene neue musikalische Weiterentwicklungen hervor. Beim Tango Nuevo (Astor Piazzolla, Atilio Stampone, Eduardo Rovira und Horacio Salgán) bzw. in verschiedenen Tango-Interpretationen moderner Orchester (z.B. Sexteto Mayor, Orquesta Color Tango, Federico Baffia-Berlingieri) erfährt der Tango eine Hinwendung zum musikalischen Hörerlebnis, das eher selten als tanzbar angelegt ist.

Seit den 1990er Jahren häufen sich musikalische Formationen, die den Tango mit elektronischer Musik (wie Hip Hop, House, Drum and Bass) sowie mit Jazz, Pop und World Music verbinden. Hierunter fallen z.B. Gotan Project, Tanghetto, Otros Aires, Carlos Libedinsky, Bajo Fondo, Ultratango, Electrocutango, Tango Crash, Tango Fusion Club, San Telmo Lounge, Tango Jointz etc...

(Die Texte wurden erstellt von Carolina.)